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Viele wissen vieles besser

Es ist etwas Schreckliches in Deinem Leben passiert, worauf Du nicht vorbereitet warst. Ein Mensch, sei es Dein Kind, Dein Partner, eins Deiner Elternteile, ein Freund bzw Freundin, ein naher Verwandter, hat sich das Leben genommen. Dieser Mensch hinterlässt eine riesengroße Lücke in Deinem Leben. Und nun stehst Du da und verstehst die Welt nicht mehr. Was nun?

Vielleicht ist es gar nicht passiert, denkst Du. Doch das ist der Schock in Deinem Kopf, der Dir diese Gedanken einpflanzt. Es gibt noch mehr Gedanken, die Du, während Du den Schock erleidest, erhältst. Diese Gedanken machen Dir große Angst verrückt zu werden und Du ziehst Dich zurück.

Die Gemeinschaft mit anderen Hinterbliebenen beginnst Du zögerlich zu suchen. Vielleicht versteht Dich jemand. Vielleicht kann Dir jemand sagen, dass es alles nur ein böser Traum war. Vielleicht kommt mein geliebter Mensch wieder zurück. Vielleicht gibt es eine Formel, die alles wieder gut macht. Wie gehen die anderen Menschen mit ihrem Schicksal um?

Wer kann mir helfen?
Du liest hier und dort etwas über die Trauer. Trauer nach einem Suizid ist etwas anderes, denn die Schuldgefühle, die Du vielleicht in Dir trägst, lasten sehr schwer auf Deinen Schultern und auf Deiner Seele. Du stellst fest, dass Menschen, die dasselbe Schicksal mit Dir teilen, Dich manchmal sogar ohne viel Worte verstehen. Also hängst Du Dich an deren Lippen, da Du Dir Antworten erhoffst, die Dir Hoffnung geben könnten.

Aber: Es gibt auch Hinterbliebene, die ihre Gefühle und Gedanken für das Non-Plus-Ultra der Trauerbewältigung halten, und erzählen Dir, dass alles, was sie empfinden, einem Gesetz unterliegt. Hierzu gebe ich Dir ein Beispiel:
Wenn diese besagte Person nach vier Monaten wieder in ein tiefes Loch fällt, erklärt sie Dir, dass dem immer so sei und es jedem anderen Trauernden genau so ergehen wird.
Das stimmt nicht!
Jeder Mensch empfindet und trauert anders. Auch setzen wir uns unsere Zeiten selbst. Wenn sich der eine Mensch nach drei Monaten schlechter fühlt, heißt es nicht, dass es jedem Hinterbliebenen so ergeht. Warte nicht auf die Gefühle, die Dir ein anderer Mensch suggerieren möchte. Gehe Deinen eigenen Weg.

Sobald ich nach Situationen und Gefühlen gefragt werde, sage ich immer: „Bei mir war es so. Das heißt nicht, dass es bei Dir auch so sein muss.“
Manchmal ergeben sich Parallelen und manchmal nicht. Ich zum Beispiel war eine Zeit lang sehr wütend auf meinen Sohn, der sich das Leben nahm. Allerdings habe ich durch Unterhaltungen mit anderen Hinterbliebenen festgestellt, dass das Gefühl der Wut nicht bei jedem Menschen vorkam. Wenn ich dann zum Thema „Wut“ befragt wurde, sagte ich: „Du darfst auch wütend sein, aber es ist nicht die Norm. Ich war wütend, jedoch eine andere Person war es nie.“

Auch mit Zeitangaben bin ich sehr vorsichtig und äußere mich nur mit dem Hinweis, dass es bei mir in dieser und jener Zeit bestimmte Dinge vorkamen.
Abschließend möchte ich sagen, dass es keine Regel, keine Norm und erst recht keinen Wegweiser gibt, um „normal“ zu trauern. Wir können uns nur gegenseitig unterstützen und auf das Verständnis der Gesellschaft hoffen.

Einen lieben Gruß schickt Euch
Eure Annette

Autor

Name: Annette Meissner

15 Gedanken zu “Viele wissen vieles besser

  • Hallo Annette, ich möchte mich bei dir bedanken.Wie vielen Menschen du schon mit deinen Erfahrungen, Offenheit und Empfinden geholfen hast…Ich bin zwar für mich immernoch ratlos…DANKE FÜR VIELE MENSCHEN, DASS ES DICH GIBT !

    Antworten
    • Annette Meissner Autor

      Liebe Christine,
      ich danke Dir für Deine lieben Worte. <3 Auch Du wirst eines Tages Deinen Weg finden. Die Agusgruppe könnte Dir dabei helfen. Möchtest Du mal reinsehen? Hier ist der Link https://www.agus-selbsthilfe.de/forum/
      Dort habe ich viele liebe Menschen kennengelernt, die mit mir meinen Weg gingen. Das machte mir mein Leben etwas leichter, denn ich war nicht so allein.
      Ich schicke Dir einen tröstenden Gruß aus Solingen rüber,
      Deine Annette

      Antworten
  • Liebe Annette,

    auf der Suche nach Antworten bin ich eben über dein Forum gestolpert…
    Mein Bruder hat sich vor wenigen Wochen das Leben genommen.
    Völlig überraschend, ohne Vorwarnung… Seine Freundin hatte sich von ihm getrennt und wenige Stunden später hat er sich vor den Zug geworfen. Es ist einfach nur unfassbar und unbegreiflich.
    Wir hatten ein sehr enges Verhältnis und er hat mir eigentlich auch immer alles erzählt und mich Teil haben lassen, ob es ihm gut geht, oder nicht. Dieses Mal war es leider nicht so und ich frage mich warum?
    Mit der Wut, dem Schock, der Trauer, dem Begreifen, der Hilflosigkeit, dem Schmerz, der Unfassbarkeit umzugehen, dass das passiert ist von einem Menschen, den man immer dachte gut zu kennen und dann aus heiterem Himmel so etwas… Es ist sehr schwer das einzuordnen..
    Jetzt versuchen meine Eltern und ich einen Weg zu finden, wie wir das „gut“ verarbeiten können und lernen damit umzugehen.

    Ich wünsche allen, die das durchmachen ganz viel Kraft!
    Viele Grüße

    Antworten
  • Hallo Ihr Lieben!
    Mein Sohn hat sich am 27.09.14 vor einen Zug geworfen.
    Es gab im Vorfeld keinerlei Anzeichen, zumindest nicht von uns spürbar. Deshalb habe ich mich ganz bewusst, in dem Moment als ich die Nachricht seines Todes erhielt, trotz der Gefühlsachterbahn, ganz schnell von dem Gedanken frei gemacht Schuld zu haben oder es Verhindern zu können. Genauso habe ich das seinem Vater vermittelt, von dem ich seit geschieden bin. Wir Eltern haben keine Schuld. Er war 21 Jahre alt und für sich selbst verantwortlich und er wusste, das er zu jederzeit auf unsere Unterstützung hätte bauen können. Es hört sich vielleicht für manche hart an aber wir können nicht jemanden retten, der nicht gerettet werden will und von dem man den Eindruck vermittelt bekommt, das derjenige Ziele und Träume verfolgt.
    Natürlich gab es auch bei mir eine Zeit von Wut, von der musste ich mich aber lösen um trauern zu können, sonst funktioniert es nicht. Ich bin irgendwann zum Friedhof und habe ihn beschimpft und angeschrien, es hat mir geholfen diese Phase zu überwinden.
    Dann dachte ich, jetzt kann es losgehen mit trauern aber wie sieht Trauer aus?
    Ganz klar bei jedem anders.
    Ich beispielsweise bekenne mich zum Buddhismus und räuchere viel, nicht nur auf dem Friedhof sondern auch zu Hause.
    Manchmal vergieße ich eine Träne, jedoch nur selten, denn ob und wieviel man weint hat auch nichts mit Trauer zu tun.
    Direkt nach der Nachricht seines Todes habe ich mich mehr als intensiv mit der Art seines Todes, seinen letzten Tagen, mit seinem Umfeld beschäftigt und ich behaupte, das es die beste Zeit dafür ist denn man steht noch irgendwie unter Schock und das ist es, was uns erstmal funktionieren lässt. Also auf zur Konfrontationstherapie, es folgten das Durchlesen seiner kompletten Chatverläufe seines Handys, dies wurde bei ihm aufgefunden und nur dadurch konnten wir ermittelt werden. Die Polizei hat es uns zur Verfügung gestellt. Daran könnte man zumindest erkennen, was in den Tagen vor seinem Tod alles geschehen ist. Dann folgte Schritt zwei, der enorm wichtig war für mich. Direkt nach der Kenntnis seines Todes stellte sich sofort die Frage: Was ist mit dem Lokführer? Geht es ihm gut? Hat er es bemerkt?
    Da mein Stiefsohn ebenfalls Lokführer ist, lag es nah ihn zu bitten, mich doch einmal mitzunehmen. Ich wollte unbedingt die Sicht aus dem Führerstand erleben während einer Fahrt. Gesagt getan. Ich Nachhinein genau richtig, denn ich dachte, ich würde niemals wieder mit einem Zug fahren können geschweige denn überhaupt an einem Gleis stehen. Es funktioniert!
    Schritt drei, der wahrscheinlich für Außenstehende schlimmste, ich forderte Akteneinsicht bei der Polizei.
    Das wovor mich jeder warnte, jeder wollte mir sagen, ich könne danach nie wieder ein Auge zu machen und würde nie im Leben diese Bilder loswerden. Dazu muss ich sagen, das mein jetziger Ehemann Kriminalbeamter ist und mehr davon Verstand, was es bedeutet sich so etwas anzutun. Viele Menschen bei denen ich im Vorfeld dieses Thema ansprach waren entsetzt, vielleicht hielten sie mich sogar für gestört oder pervers. Mir war es egal.
    Bei mir entwickelte sich sehr stark das Gefühl, es würde helfen, helfen es greifbar und endgültig zu machen, denn begreifen hat was mit anfassen zu tun. Von Natur her bin ich eh schon immer so gewesen, das ich nur etwas glauben konnte, wenn ich es genau beleuchten konnte oder eben sehne oder anfassen.
    Zuvor muss ich sagen, wenn man in der heutigen Zeit von einem Schienensuizid hört, hat man sowieso im Zeitalter von Internet schon Bilder im Kopf.
    Es Waren nun einmal die letzen Bilder meines Sohnes und ich habe das Recht zu sehen, wie er starb.
    Also setzte ich meinen Dickkopf durch und ließ mir alles vorlegen, was verfügbar war. Zuerst den ausführlichen Lagebericht des „Vorfalls“ und als ich damit durch war, bat ich um die Bilder. Erstaunlicherweise deckten die sich mit jenen, die ich mir im Vorfeld schon ausgemalt hatte. Als ich das Polizeirevier verließ fühlte ich mich gelöst. Ja tatsächlich auch beruhigt denn ich wusste, er hat es getan, es war kurz und so vermute ich, schmerzlos.
    Somit begann bei mir die vierte Phase, die Akzeptanz.
    Diese Phase war bei mir sehr wichtig, denn ich lebe weiter, vielleicht anders als vorher aber ich lebe und das ist gut so.
    Es eröffnen sich neue und andere Perspektiven.
    Akzeptanz bedeutet auch loslassen, gehen lassen und bewusst annehmen. Gehen lassen um weiter zu kommen.
    Ich war diejenige, die die Kraft entwickelte anderen beizustehen, seinem Vater, seinem Bruder, seinen Freunden, meiner Familie und meinem Mann. Letzterer war schließlich derjenige, der mich von dem Suizid in Kenntnis setzte und mich hielt und unterstützte.
    Ich machte mich also daran die Trauerfeier zu organisieren, in Zusammnearbeit mit meinem Ex-Mann, seiner jetzigen Frau, dem Bruder meines Sohnes und meinem Mann. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, hatten sogar jede Menge Spaß und ließen uns nicht reinreden von irgendwelchen Bestattern und Familienangehörigen die vielleicht religiöse Zeremonien abhalten wollten. Da es von meinem Sohn keine Verfügungen gab, lag es jetzt an uns, den wie andere es bezeichnen schwersten Gang so schön wie möglich zu gestalten. Es war eine Feier wie wir sie wollten, sie war für uns und ich sage ganz bewusst, es war ein wirklich toller Tag, überhaupt nicht schwermütig, angenehm emotional und keineswegs schwer. Wir wurden getragen von einer freien Rednerin, die im Vorfeld zusammen mit uns eine kurze Rede ausarbeitete, keine Lobhudelei, desweiteren habe ich meine Lieblingsmusiker engagiert um uns musikalisch zu begleiten, mit von uns gewünschten Liedern, jung und modern. Wir, die engsten Angehörigen, haben alles anderen während und nach der Trauerfeier getragen, getröstet und beruhigt. Es war eine Feier, ja es war ein Fest bis spät in die Nacht.
    Die nächste Phase, zurück ins eigene Leben.
    Ehrlich gesagt ist das die schlimmste und schwerste.
    Getragen von meinem Chef und den Kollegen, die bis heute auf mich verzichten, gelingt es mir langsam in den Alltag zurück zu finden.
    Psychologische Beratung bekomme ich von einer sogenannten Lebensberaterin, die mein Chef eigens für mich zur Verfügung gestellt hat und mich wöchentlich begleitet, ja sogar die Kosten dafür übernimmt.
    Hat mal jemand versucht einen kassenärztlichen Termin bei einem Psychologen zu bekommen? Wartezeiten von Monaten um dann daraus zu gehen mit einem Rezept für Stimmungsaufheller und Schlaftabletten? Das brauche ich nicht!
    Ich setze, wie hier geschrieben auf Konfrontationstherapie und annehmen. Das heißt für mich nicht, das ich nicht auch körperliche Symptome hatte, wie Herzrasen oder innere Unruhen. In diesem Fall habe ich nun immer Bachblüten Rescue Tropfen dabei, rein pflanzlich, alkoholfrei, mir hilft es immer dann, wenn sich Symptome einstellen.
    Um ins reale Leben zurück zu finden hilft es nicht sich einfach wieder dem gewohnten Rhythmus hinzugeben, das führt aus meiner Sicht nur zu Verdrängung oder einem Aufschieben einer wichtigen Phase, nämlich am Leben Spaß zu haben.
    Ich habe rausgefunden, das es hilfreicher ist Dinge zu tun, die einem Freude machen, kleine Dinge, lange schlafen, ausgehen und ich habe sogar wieder angefangen Sport zu machen um mich körperlich zu stärken. Eigentlich normale Dinge, in meinem Fall aber große Schritte.
    Und NEIN, ich habe keine Bilder im Kopf.
    Wichtig ist, die Disziplin, nicht appetitlos zu sein und ruhig schlafen zu können, denn das ist die Grundlage zu Erhaltung unserer eigenen Körperfunktionen.
    Ich habe in den letzten Wochen viele Bücher zum Thema Tod gelesen, mich damit auseinandergesetzt und ich kann sagen, ich habe verstanden. Es stellt sich nicht mehr die Frage warum es ausgerechnet mir passiert ist, warum musste er so früh gehen. Die Antwort ist, es hat auch etwas Gutes, so schlimm es für andere klingen mag. Ich habe dadurch viele Dinge verstanden und um die zu verstehen, musste es uns passieren.
    Abschließend möchte ich sagen, das jeder der mit mir mal in Kontakt treten möchte, herzlich dazu eingeladen ist. Ich bin gern bereit zuzuhören und auch bereit jederzeit persönlich von meiner Geschichte zu erzählen.
    Ihr könnt mir mailen an sandra410@me.com

    Liebe Grüße, Sandra

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    • Annette Meissner Autor

      Liebe Sandra!
      Ich danke Dir für den ausführlichen Kommentar. Insbesondere, dass Du beschreibst, wie Dein Leben nun verläuft.
      Es ist ganz wichtig, dass andere Menschen mitbekommen, dass wir etwas machen können, um unser Leben wieder zurück zu bekommen.
      Ich sende Dir ganz liebe Grüße aus Essen rüber,
      Annette

      Antworten
      • Hui, beim nochmaligen durchlesen habe ich jetzt noch etliche Rechtschrebfehler entdeckt aber ich denke darüber kann man hinwegsehen, zumindest ist der Sinn dahinter lesbar und ganz wichtig, wir müssen nicht perfekt sein.

        Liebe Grüße,

        Sandra

        Antworten
  • wir haben am 18.09.2014 unseren Sohn durch Suizid verloren. Der Schock sitzt so tief, gepaart durch Hilflosigkeit und auch Wut! Er war zwar nur mein Stiefsohn,aber auch er sagte Mami zu mir. Sein Leben fand mit seiner Ma in Florida statt, was glaube ich, große Gewissenskonflikte für ihn bedeutete…getrennt vom Papa und seiner ganzen Familie . Aber er ist seinen Weg gegangen,war…ist hochbegabt,bewältige seinen Schulweg mit Cum Laude und musste immer kämpfen. Er hatte immer neue Ideen und war allen Menschen immer so herzlich zugewandt! Sein neuer Weg war Lehrer zu werden und er war sooo glücklich! 2 Wochen später ist er tot…Was haben wir falsch gemacht? Diese Gedanken quälen enorm! Der Kontakt, auch wenn ein Kontinent dazwischen steht,war so innig,dass es mir das Herz heraus reißt!

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    • Annette Meissner Autor

      Liebe Grit!

      Auch ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, ob und was ich falsch gemacht habe. Nach einigen Jahren bin ich dahintergekommen, dass ich nichts hätte ändern können, um Enrico von seinem Vorhaben abzuhalten. Es war nicht meine Schuld.
      So möchte ich Dir auch sagen, dass es nicht Eure Schuld war. Es gibt keine Garantie für ein „normales“ Leben oder Lebensweise.
      Ich glaube, Niemand steht morgens mit dem Gedanken auf, dass er jetzt mal etwas falsch macht. Wir leben und reagieren nach bestem Wissen und Gewissen. Und kein Mensch ist perfekt.
      Es dauerte seine Zeit, bis ich an diesem Punkt der Gedanken ankam.
      Ich nehme Dich mal ganz lieb in den Arm und sage Dir: „Gib Dir Zeit.“

      Einen ganz lieben Gruß schicke ich Dir aus Essen,
      Annette

      Antworten
  • Veronika Karl

    Ich hab meine Tochter auch durch Suizid verloren, und ich denke nur Betroffene können nachvollziehen was das bedeutet….die Gefühle spielen verrückt, am schlimmsten sind die Schuldgrfühle, man kann sie einfach nicht abstellen, sie kommen immer wieder. Dazu kommen noch die vorwurfsvollen Blicke unserer Mitmenschen, in Ihren Augen kann man lesen „DU BIST SCHULD“.Ich erfuhr zwar viel Mitgefühl, doch die Blicke und Aussagen mancher Menschen (welche mir andere „Liebe Menschen“wieder zutrugen), die meinten sie wüßten genau warum es geschah waren und sind wie ein Stich ins Herz. Ich glaube Schuldgefühle, Schulzuweiseungen und das Gefühl versagt zu haben machen den Unterschied zu „normal Trauernden“.
    Es sind nun mehr als 3 Jahre vergangen, doch ins normale Leben habe ich noch nicht zurückgefunden gefunden, es ist ein neues Leben, in dem sich die ganze Wertigkeit des Daseins verschoben hat.
    Liebe Annette, ich bewundere Dich sehr, wie Du das alles geschafft hast.
    Ganz liebe Grüße

    Antworten
    • Annette Meissner Autor

      Liebe Veronika,
      lieben Dank für Deinen Kommentar.
      Die Schuldgefühle, die ich bei und auf mir trug haben mich fast erdrückt. Daher habe ich beschlossen, sie loszuwerden. Wie, wusste ich noch nicht, aber dass ich wieder richtig leben wollte, das wusste ich.
      Das war damals der erste Schritt zurück ins Leben. Natürlich ist es nicht in ein paar Worten zu beschreiben, wie ich es gemacht habe. Daher wird in meinem zweiten Buch das Thema „Schuld loswerden“ einen großen Platz einnehmen.
      Liebe Veronika, ich hoffe, dass Du auch Deinen Weg findest, um so zu leben, wie Du gerne leben möchtest.
      Einen ganz lieben Gruß aus Essen schickt Dir
      Annette

      Antworten
  • Seit ich Deine Geschichte kenne, versuche ich zu begreifen wie es so weit kommen kann, daß sich das eigene Kind das Leben nimmt – ich kann es nicht – ich will es auch nicht – ich weiss, es muss furchtbar sein und ich kann mir vorstellen, daß es vielleicht eine andere Form von Trauer (Wahnsinn) ist, als würde man sein Kind durch Krankheit oder Unfall verlieren. Ich weiss, dann wäre auch mein Leben zu ende. Kann man hier überhaupt Unterschiede machen? Tod ist tod – die Umstände spielen doch eigentlich keine Rolle, oder doch?

    Antworten
    • Annette Meissner Autor

      Liebe Martina,

      es ist richtig, wenn Du sagst, dass Tot tot ist. Jedoch finde ich, dass die Umstände, die zum Tode führen schon einen Unterschied hervorrufen. Tod durch Krankheit, Tod durch Unfall, Tod durch Altersschwäche, Tod durch ein Verbrechen und Tod durch Suizid. Wir Hinterbliebenen müssen damit leben. Die Gesellschaft reagiert auch völlig unterschiedlich auf die unterschiedlichen Todesarten. Das mach es uns manchmal nicht einfach, wieder am normalen Leben teilzuhaben.
      Da ich meinen Sohn durch Suizid verloren habe, weiss ich nicht, wie sich eine Mutter fühlt, dessen Kind auf Grund eines Verbrechens oder wegen einer Krankheit verstarb. Denn dann müssen wieder ganz andere Gefühle und Gedanken verarbeitet werden.
      Anfänglich dachte ich, ich würde nie wieder „normal“ leben können. Doch mit der Zeit lernte ich mit dem Suizid meines Sohnes umzugehen. Die Hilfe lieber Menschen an meiner Seite ermöglichte es mir zurück ins Leben zu finden. Auch spielt die Zeit eine große Rolle.
      Ich wünsche niemanden unser Schicksal, doch jeden Menschen kann es treffen. Daher ist es wichtig, dass die Hinterbliebenen dann wissen, wo sie Hilfe finden können.

      Einen ganz lieben Gruß aus Essen schickt Dir
      Annette

      Antworten
      • Ich habe meinen Bruder durch Suizid verloren,aber er war fr mich noch viel viel mehr.Er war mein Bruder,mein Freund und wenn es ihm ganz schlecht ging war er wie mein Kind…..es ist einfach unfassbar und nicht zu beschreiben was da mit einem passiert…..erst war bei mir auch erst der Schock und dann war ich so wütend auf meinen Bruder sich einfach so davon zumachen….oft hatte ich ein schlechtes Gewissen das ich so wütend auf ihm war……nach der Wut fing die Trauer an und das war und ist immer noch sehr sehr schwer….Es ist jetzt fast ein Jahr her und es tut noch so weh wie am Anfang!!!Wann es besser oder sagen wir mal „anders“ wird,weiß ich nicht aber Anette hat Recht;ohne liebe Menschen an meiner Seite hätte ich vielleicht aufgegeben…

        Antworten
        • Annette Meissner Autor

          Liebe Claudia …
          In den schwersten Stunden unseres Lebens ist es ein großes Geschenk, liebe Menschen an unserer Seite zu haben. Wir ertragen dann gemeinsam die Trauer.
          Es ist schön, dass auch Du dieses Geschenk erhalten hast.
          Ich sende Dir viele tröstende Grüße rüber,
          Annette

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