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Für immer

Hallo, meine lieben Leserinnen und Leser.

Die Nachricht über den Tod meines Sohnes veränderte mein Leben schlagartig. Von einer Sekunde auf die andere. Nichts war mehr so, wie es vorher war.
Schock, Unglaube, Zweifel.
Ich war völlig unvorbereitet. Keine Äußerung oder Handlung seinerseits ließ darauf schließen, dass Enrico eines Tages einfach so aus meinem und seinem Leben  gehen würde.
Für immer
Endgültig
Unwiederbringlich
Meine Gefühle und Gedanken überschlugen sich. Hitze und Kälte durchfluteten meinen Körper. Zittrige Knie und Herzrasen kamen hinzu. Dichter Nebel umgab mich plötzlich und ich verlor den Boden unter meinen Füßen. Ich, die bis zu diesem Zeitpunkt ihr Leben relativ gut im Griff hatte und fast immer stark gewesen ist. So dachte ich zumindest. Ich bekam Angst.
Angst vor der Realität- also wollte ich es nicht wahr haben.
„das kann gar nicht sein. Enrico tut so etwas nicht.“
Angst vor der Gegenwart- ich wollte es verdrängen, indem ich unwichtige Dinge tat, wie zum Beispiel meine Teebeutel in der Teedose nach Farben zu sortieren.
Ich befand mich im Schockzustand.
Jeder Mensch reagiert anders als der andere. Wir sind alle unvorbereitet und müssen mit der Situation sofort fertig werden. Der geliebte Mensch ist für immer von uns gegangen. Mit oder ohne Abschiedsbrief. Meist ohne Vorankündigung. Wie, wo oder wann ist in dem Moment erst einmal nicht so wichtig, aber dass er es tat ist für uns unbegreiflich. Der Schockzustand löst bei jedem Menschen unterschiedliche Reaktionen aus. Auch die Dauer und die Art des Zustandes ist bei jedem Menschen verschieden.
Allerdings ein Wort kommt bei uns Suizidhinterbliebenen früher oder später immer über die Lippen.
Dieses Wort heißt:
Warum?
Es bedarf Zeit, Geduld, Liebe, und Akzeptanz dieses Wort zu entkräften.

Für heute verabschiede ich mich von Euch und schicke tröstende Grüße
Eure Annette

Autor

Name: Annette Meissner

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