Ihr Lieben …
Frau TV hat sich für das Thema Suizid und Suizidhinterbliebene entschieden.
“Mein Sohn hat sich das Leben genommen” wurde der Beitrag betitelt.
Als das WDR-Team bei mir zu Besuch war, um mich zu interviewen, freute ich mich sehr darüber. Ich habe mir vorgenommen, das Tabuthema Suizid und Suizidhinterbliebene ein Stück weit zu enttabuisieren. Es geht darum, dass meine Mitmenschen keine Angst mehr bekommen sollen, wenn sie hören, dass ich eine verwaiste Mutter bin. Nicht nur mir ergeht es so, sondern auch all den anderen Hinterbliebenen. Sei es, wenn der Partner sich das Leben nahm oder wenn ein Eltern- oder Geschwisterteil plötzlich für immer ging. Auch bei Freunden oder Verwandten wurden die zurück gelassenen seltsam behandelt. Immer wieder stoßen wir auf Reaktionen der Mitmenschen, die erneut seelische Schmerzen verursachen. Unbewusst wird uns Hinterbliebenen von der Gesellschaft nochmals die Schuld zugeschoben.
Es gab Zeiten, in denen ich dachte, ich hätte eine ansteckende Krankheit. Viele Menschen haben sich von mir zurückgezogen. Das tat sehr weh. Ich fühlte mich zeitweise sehr einsam.
Heute bin ich so weit, dass ich darüber reden kann. Ich habe wieder Vertrauen zu mir und somit auch die Kraft mit anderen Menschen über das Erlebte zu reden.
Das WDR-Team war sehr einfühlsam und rücksichtsvoll. Ich wurde während der Dreharbeiten auch lieb gefragt, ob alles in Ordnung sei.
Besonders, als wir zum Wasserturm gingen, denn der Wasserturm war der Ort, an dem sich mein Sohn Enrico das Leben nahm.
Rückblickend kann ich sagen, dass es ein sehr wichtiger Schritt war, den ich damals tat, als ich den Wasserturm bestieg. Ich wollte mit ihm Frieden schließen, was ich auch tat. Das Gebäude hatte, als wir oben ankamen, nichts Bedrohliches mehr für mich. Es war ein unbeschreiblich erleichterndes Gefühl des Friedens, was in mir hochkam.
Als wir jedoch zur Grabstätte kamen, liefen mir wieder ein paar Tränen. Tränen, weil Enrico kein “richtiges Grab” hat und weil sein Name in keinem Stein verewigt wurde. Ich ließ die Tränen zu. Ich darf traurig darüber sein und ich darf auch weinen, denn ich bin ja seine Mama.
Alles in allem war die Zeit mit dem WDR-Team sehr angenehm und ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal bedanken für diese wunderbare Zusammenarbeit.
Dies ist der Link zur Frau-TV-Sendung vom 11.10.2012.
Einen lieben Gruß schickt Euch
Eure Annette